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Freitag, 18. Mai 2012

Ein Wort in eigener Sache:
Viel sagen jetzt bestimmt:“ Die werden gesponsort, also loben sie den Bogen bestimmt über allen Klee!“ Das werden wir nicht! Wir sehen uns als Partner von OK-Archery und wollen mit unser Erfahrung dazu beitragen, die Produkte unseres Partners zu verbessern. Dazu halten wir es für unsere Verpflichtung, Tests neutral durch zu führen. Wir werden also mit Kritik nicht hinterm Berg halten, sollte sie berechtigt sein – wie bei anderen Herstellern auch. Freuen Sie sich also auf einen objektiven Bericht.

Technische Daten Testbogen:

ATA:

37" (auch in 35")

Standhöhe:

8.5" (7.5" Standard)

Auszug:

30" (einstellbar durch Module)

Gewicht:

5.07 lbs (2,3 kg)

Pfeilgeschwindigkeit Herstellerangabe:

Pfeil 350 Grain
30'' Auszug
60 # Zuggewicht
315 fps

Pfeilgeschwindigkeit gemessen:

Pfeil 400 Grain
30'' Auszug
60 # Zuggewicht
288 fps
274  fps (Finger-Release)

Let-Off:

65 %

UVP (Stand 10.08):

1124,- € (incl. Sehnenstopper)

Bezug: OK-Archery

Bilder Triple-X

OK Triple-X
OK Triple-X
Sehnenstopper
Sehnenstopper
Wurfarme + Mittelteil
Wurfarme + Mittelteil
Wurfarmaufnahme
Wurfarmaufnahme
Cams
Cams
Cams + Modul
Cams + Modul
Wurfarm mit Cam
Wurfarm mit Cam
Griffstück
Griffstück

OK TRIPLE X

- ein Compound „Made in Germany“

Wie bewährt sich ein deutscher Bogen in der Top-Liga der amerikanischen Compounds?

„Made in Germany“ hatte vor Jahren Weltruf, in letzter Zeit ist das Image etwas angekratzt, um es vorsichtig aus zu drücken. Der deutsche Hersteller OK-Archery aus dem Schwäbischen hält seit Jahren die Fahne deutscher Maschinenbaukunst im Bogenbau hoch. Schaun' mer mal, ob dies mit dem Triple-X gelungen ist!

OK-Archery, eine Bogenbau-Firma in Familienbesitz, baut seit 1976 Bögen. Begonnen hatte es mit Recurves, zur Zeit wird mangels Kapazität kein Mittelteil mehr produziert. Wurfarme werden immer noch hergestellt. In den letzten Jahren setzt OK-Archery vermehrt auf die Compound-Schiene mit Modellen wie dem Sirius Black oder dem X-Claim, und als jüngstem Spross, dem Triple-X.
Aufmerksam geworden sind wir vom Team AG auf die OK-Bögen durch die Menge an Erfolgen, die das OK-Staff-Shooter-Team mit den OK-Compounds erzielt hat. Da uns die Bögen sehr interessierten, haben wir Kontakt aufgenommen um mehr zu erfahren.

Das lang erwartete Paket mit dem neuen Teilchen trudelte endlich bei Andreas ein. Auspacken! Der erste Eindruck bestätigt, dass die deutschen Maschinen-bauer nichts verlernt haben – man muss sie nur lassen! Das Bogen-mittelteil ist sehr schön gefertigt und hat einen eigenen Charakter. Klare Linien mit Ecken und Kanten – ein markantes Design. Andreas` Bogen ist in freundlichem, lebensbejahendem Schwarz eloxiert ;-). Alle Frästeile werden verschliffen, glasperlgestrahlt, eloxiert und extra nochmals leicht angestrahlt um den seidenmatten Glanz zu erhalten. Dies wird bei der Firma Carl Zeiss erledigt! Der Griff ist standardmäßig ein Target-Griff, der auf Wunsch mit einer optional erhältlichen Griffschale aufgepolstert werden kann. Somit fühlen sich auch Schützen wohl, die die breiteren Griffe eines Jagdbogens bevorzugen. Die Wurfarme sind Split-Limbs von Barnsdale. Hier hat OK nicht selbst produziert, sondern verbaut Material vom feinsten. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Diese Philosophie setzt sich bei der Wahl des Materials von Sehne und Kabel fort. Verbaut wird Stuff von Vapor Trail, neben Winners Choice mit das Beste, was der Markt zur Zeit bietet. Ein paar Details fallen uns auf. Die Wurfarmtaschen lagern auf einer Schicht Kupferpaste um Reibung, Abnutzung und Geräusche zu minimieren. OK-Archery empfiehlt alle 1000 Schuss einen Tropfen WD 4o auf die Lager der Cams zu sprühen – dies langt als Wartung aus.  Ein ge-drucktes Manual für den Bogen fehlt leider. Bei einem Bogen dieser Preis-klasse sollte so etwas eigentlich selbstverständ-lich sein. Unser Einwand ist seitens OK als Anregung aufgenommen worden. Was macht also der Kunde, wenn er Fragen hat? Ganz einfach: Anrufen! Der Service bei OK ist klasse. Im Gegensatz zu den amerikanischen Herstellern können die Baden-Württemberger schnell und flexibel reagieren. So geschehen bei unserem Workshop im Bogensport-Zentrum Chiemgau im Mai 08. Wir stellten fest, dass bei einem Schützen mit einem OK-Compound der Auszug zu lang war. Die Auszugslänge lässt sich nur über den Austausch der Module verändern, also bei OK angerufen und keine zwei Tage später waren die Module vor Ort. Guter Service, oder?

Zurück zum Triple-X. Andreas schießt BHC, ohne Release und Visier. Geht das überhaupt bei 30'' Auszugslänge und 37'' Achsabstand? (Andreas' Bogen hat nach AMO eine Auszugslänge von 31.75'', eine Sonderanfertigung mit längeren Wurfarmen um auf seine Länge zu kommen.) Wieder Erwarten gut, was der Gewinn des 3D-Indoor in Holland mit neuem Rekord im April 2008 beweist. Dabei sind uns zwei Punkte aufgefallen. Durch den kurzen Achsabstand sollte man beim Fingerschießen einen sehr sauberen Release haben, sonst deckt der Triple-X jeden Fehler auf. Release-Schützen haben es hier einfacher. Weiterhin bemerkten wir Anfangs des Tests leichte Vibrationen, was uns für einen Bogen mit parallelem Wurfarm-Design ungewöhnlich vor kam. Eine eingehende Prüfung des Bogens brachte keine Erklärung. Erst ein Gespräch mit OK-Archery brachte die Lösung. Wir hatten in der Eile vergessen, den mitgelieferten Sehnenstopper zu montieren – ja ja, neues Spielzeug und Ungeduld. Den Sehnenstopper angeschraubt und ab auf die Schießbahn. Die restlichen Vibrationen waren weg, nichts mehr zu spüren.

Das parallele Wurfarm-Design macht den Bogen auch für Fingerschützen beherrschbar. Kein Handschock und eine immer gleiche Pfeilgeschwindigkeit von 272 fps mit einem 400 Grain schweren Pfeil bei 60# Zuggewicht und 30'' Auszug. Mit Release landen wir bei ca. 288-290 fps bei 60# und 30''. Mit leichteren Pfeilen und Release ist locker mehr drin. Der Bogen gruppiert mit unseren Testpfeilen (Carbon Express Maxima Hunter 250 mit 120 Grain Spitze und MG-Outdoor Wolverine Befiederung) exzellent. Andreas erzielt im Schnitt bei einer 6er Passe auf 60 und 70 Meter einen Schnitt von 56 Punkten auf eine 120er FITA-Auflage. Seine 3D-Tauglichkeit hatte der Triple-X ja schon bei dem 3D-Indoor-Turnier in Holland unter Beweis gestellt. Die 60# merkt man beim Auszug nicht unbedingt. Der Triple-X lässt sich angenehm weich ziehen, man übersteht auch ein langes Turnier ohne zu ermüden.

Unser Fazit:
„Man schießt Deutsch!“ - Mit seinen Leistungen braucht sich der Triple-X nicht vor den amerikanischen Mitbewerbern zu verstecken. Andreas Gotthardt hat mit dem Triple-X seinen 41. Deutschen Meistertitel bei der DM Bowhunter des DFBV geholt.
Ein gelungenes Stück deutscher Maschinenbaukunst, das einen Vergleich mit den Top-Modellen der amerikanischen Hersteller nicht scheuen muss. Punkten kann der Triple-X mit dem guten und schnellen Service, den Hersteller OK-Archery bieten kann. Die Komponenten des Bogens – die Wurfarme und Sehnen und Kabel sind zu gekauft – sind sinnvoll und stimmig zusammen gestellt und bieten eine sehr gute Performance. Die Schießleistungen sind dem entsprechend sehr gut. Er verlangt aber wie ein guter Sportwagen eine sichere Hand um ihn voll aus zu reizen. Der Preis ist ebenfalls wie einem Sportwagen in Klein-Serie eher hoch angesiedelt. Der Bogen findet sich nicht auf der Website, aber das OK-Team beantwortet gerne alle Fragen auch per Telefon oder Mail.