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Donnerstag, 17. Mai 2012

Gesprächsteilnehmer:
Ulrich Groß – DFBV-Präsident
Elmar Harbecke – Team AG

Interview über die Aussichten für die BHL

Teil 1

Teil 1

Hallo Uli. Unser Thema heute ist die Bownunterliga und deren Aussichten. Danke, das Du Dich bereit gefunden hast, unsres Fragen zu beantworten.

Frage:

Der DFBV hatte mit der BHL 2008 eine gute Nase für eine attraktive Veranstaltung bewiesen. Die BHL ist in ihrem zweiten Jahr. Die Veranstaltungen 2008 mit dem Finale auf Burg Satzvey hatten allen Beteiligten Lust auf mehr gemacht. Daher hat der DFBV auf vielfachen Wunsch auch dieses Jahr die BHL wieder aufgelegt. An dieser Stelle vielen Dank für das Engagement des DFBV.  Allerdings stand erst die Durchführung der BHL 2009 gar nicht so fest, warum?

Antwort:

Wie bei vielen anderen Vorhaben und Veranstaltungen stellt sich immer wieder – nicht nur beim DFBV - die Frage der Finanzierbarkeit. Wir hatten leider erst Mitte/Ende November 2008 die endgültigen Zahlen. Auch wenn es nach Außen hin und für die Teilnehmer eine gelungene Veranstaltung gewesen ist, so war es für den Verband ein finanzieller Verlust in erheblicher Höhe.
Unabhängig von allen Kritiken war deshalb erst einmal darüber zu befinden, ob sich der Verband im Jahr 2009 noch einmal einem solchen Risiko aussetzen sollte.

Frage:

Nachdem 2008 einige Kritik an der Klasseneinteilung aufkam, hat der DFBV Vorstand alle Bogenklassen (siehe Ausschreibung Website dfbv.de) zugelassen. Trotz des großen Interesses im Vorfeld haben sich teilweise sehr wenig Teilnehmer pro Klasse gemeldet.  Auch die Teilnehmerzahlen an den BHL-Turnieren sind nicht besonders hoch. Woran liegt das Deiner Meinung nach? Könnte unter anderem die Regelung, dass drei Qualifikationsturniere notwendig waren (diese Regelung ist ca. zur Halbzeit auf zwei verkürzt worden), daran Schuld sein? Welche anderen „Stolpersteine“ könnte es  Deiner Meinung nach noch geben?

Antwort:

Nach meiner persönlichen Ansicht liegt der Hauptgrund auch hier bei der Frage der Finanzierbarkeit für den einzelnen Schützen(in). Die große Mehrheit der Bogenschützen ist offensichtlich an einem solch sportlichen Wettbewerb nicht so interessiert, dass sie dafür in den Zeiten der wirtschaftlichen Krise Geld ausgeben würden. Ich denke, dass sich heute Jeder zweimal überlegt, welches Turnier er sich noch leisten kann und will. Bei den Meisten wird die Auswahl dann nach dem Spaßfaktor entschieden und ein streng reglementierter Wettkampf ist dann eine Spaßbremse.

Frage:

Du sagst, dass sich jeder aufgrund der Wirtschaftskrise zweimal überlege, ob er an den erforderlichen Ligaturnieren teilnimmt. Nach unseren Befragungen waren es dazu in erster Linie die Enge, bzw. Häufigkeit der Termine und Überschneidungen die bei vielen zur Nichtteilnahme geführt haben. Stichwort „Spaßfaktor“ und „Spaßbremse“. 2008 war die BHL als sportlicher Wettkampf mit dem Ziel konzipiert worden, auch Schützen aus anderen Verbänden zum DFBV zu ziehen. Ein unserer Meinung nach guter Ansatz, da sehr attraktiv für leistungsorientierte Schützen. Warum wurde dieser Leistungsgedanke in der 09er Konzeption wieder aufgegeben? Wenn man den Leistungsanspruch aus einem Wettkampf streicht, bleibt dann nur noch ein „spaßiger Vergleich“ übrig?

Antwort:

Diesem Rückschluss kann ich so nicht folgen. Wir haben bei der Auschreibung keinen Leistungsanspruch gestrichen; das Gegenteil ist bei der Ausschreibung der Fall gewesen. Auf Grund berechtigter Kritik haben wir das Reglement an die Sportförderordnung angepasst. Vielen Schützen ist wohl nicht richtig bewusst geworden, dass Sie ohne erfolgreich Teilnahme an der Bowhunterliga zukünftig gar keine Förderung mehr erhalten können. Ganz offensichtlich gibt es überhaupt keine ausreichend große Anzahl an leistungsorientierten Schützen in dieser Sportart. Ebenso haben wir keine Interessenten außerhalb des Verbandes ausgegrenzt. Die Situation ist ganz einfach durch die schwachen Teilnehmerzahlen so entstanden.

Frage:

Im DFBV gilt der Gedanke „Gemeinsam miteinander gegeneinander“, der sportliche Vergleich auf gemeinsamer, fairer Basis, wobei nicht der reine Leistungsanspruch zählt. Ein guter Gedanke, gerade in unserer heutigen Gesellschaft, wo es an Fairness teilweise sehr zu wünschen übrig lässt. Aber macht sich ein Verband, der seine wichtigsten Turniere/Wettkämpfe auf den Spaßfaktor reduziert (Zitat-Anfang:“...ein streng reglementierter Wettkampf ist dann eine Spaßbremse. Zitat-Ende), nicht lächerlich gegenüber anderen Bogensportverbänden?

Antwort:

Auch hier soll ich offensichtlich absichtlich falsch verstanden werden. Der DFBV macht sich mit seinem reglementierten Wettkampfordnungen nicht lächerlich. Wir werden den Leistungsanspruch für die Schützen nicht reduzieren.
Gerade ein Turnier, dessen Parcours ich persönlich selbst abgenommen hatte, wurde wegen dem zu hohen sportlichen Niveau heftig kritisiert. Vielen Teilnehmern war es zu schwer, weil sie fast keine zwanziger erzielt haben. Nach meiner Ansicht waren sie dann einfach nicht ausreichend auf die Ligaanforderungen vorbereitet.
Tatsache ist aber ganz einfach, dass die Masse der Bogenschützen offensichtlich nur Spaßturniere besuchen möchten und gar nicht bereit sind in ihrer kostbaren Freizeit sich echtem Wettkampfstress –insbesondere auch im vorbereitenden Training- auszusetzen.
Und wenn dies tatsächlich so ist, so ist die Liga mangels Nachfrage einzustellen.

Kommentar:

Sicher will ich Dich nicht absichtlich falsch verstehen, ich gebe hier einfach eine Auffassung wieder, wie die Intention der Liga verstanden worden ist. Und mit diesem Gespräch können wir sicher einige Unklarheiten beseitigen.

Frage:

Im Herbst 2008 ist in einem freiwilligen Arbeitskreis von engagierten DFBV-Mitgliedern ein Vorschlag zur Klasseneinteilung erarbeitet worden. Der DFBV-Vorstand hat den Vorschlag nicht übernommen, obwohl er bei vielen Sportlern Anklang gefunden hatte. Wäre das vielleicht der bessere Weg gewesen? Warum ist der Vorschlag nicht übernommen worden, bzw. was hat den Ausschlag für die bestehende Regelung gegeben?

Antwort:

Die Vorschläge dieses freiwilligen Arbeitskreises waren nicht die einzigen Anregungen/Kritiken die dem Vorstand vorlagen. Bezüglich der Klasseneinteilung bestand ein formeller Zwang durch die bestehenden Regelungen zur Sportförderordnung; der Vorstand war dadurch gezwungen alle Klassen zuzulassen, da wir sonst für dieses Projekt diese Ordnung wieder hätten ändern müssen.
Hinsichtlich der übrigen Kriterien wurden alle Vorschläge diskutiert und dann im Vorstand demokratisch abgestimmt.
Welche Beweggründe bei den einzelnen Vorstandsmitglieder den Ausschlag für Ihr Abstimmungsverhalten gegeben haben kann ich nicht beantworten. Fest steht, dass es sich um eine Abstimmung nach kontroverser Diskussion gehandelt hat, die so dann als rechtsverbindlicher Beschluss umgesetzt werden musste.

Frage:

Vielleicht ist es ja 2010 hinfällig, aber welche Position hat eine Bogenklasse (Jagdrecurve traditionell), die es international nicht gibt, in der Sportförderordnung? Ich möchte keineswegs die Leistungen der Schützen herab würdigen, aber a) gibt es diese Klasse nicht international und b) warum erhält diese Klasse dann Gelder aus einem Topf, mit dem Teilnehmer auf internationalen Veranstaltungen gefördert werden sollen?

Antwort:

Auch hier liegt wieder ein Missverständnis vor. Gerade die Klasse „traditioneller Jagdrecurve“ war ausschließlich als Probe und Test gedacht um andere Schützen außerhalb des Verbandes anzusprechen. (siehe Antwort unten) Es hat nicht funktioniert.  Wer sich mit dem Reglement und insbesondere der Sportförderordnung richtig auseinander gesetzt hat, hätte auch erkannt, dass es für diese Klasse keine Sportförderung gibt; eben weil es keine internationale Klasse ist.

Kommentar:

Das ist doch mal eine klare Aussage, danke.

Frage:

Die neue 25-Gramm-Regel für die Klasse Jagdrecurve traditionell geht an vielen, vor allen weiblichen, Schützen mit geringen Zuggewichten vorbei. Von einigen wissen wir direkt, dass sie sich aus diesem Grund nicht für die BHL angemeldet haben. Die Problematik war absehbar, warum ist diese Regel trotzdem eingeführt worden? Wäre ohne diese Regel eine größere Akzeptanz der BHL gegeben gewesen?

 

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Teil 2

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Antwort:

Zu Beginn der damaligen Diskussion war es überhaupt fraglich, ob überhaupt eine weitere Sonderklasse
angeboten werden sollte. Die Intention war der Gruppe der traditionell Bogenschützen, die einen Holzrecurve mit ausschließlich mediteranem Ablass schießen, einen Wettbewerb anzubieten.
Das ganze sollte ein Test sein, ob für eine neue gesonderte Klasse Jagdrecurve , wie bereits mehrfach gefordert überhaupt ein Bedarf besteht. Wir waren der Ansicht, dass sich die Bowhunterliga als Sonder-veranstaltung als Versuchsfeld eignen würde. Immer unter der Prämisse, hier können wir außerhalb der für Meisterschaften verbindlichen Sportordnung des DFBV experimentieren und jederzeit auch wieder ohne Probleme Änderungen vornehmen, um das ganze an den Bedarf der Mitglieder anzupassen.
Auch hier fand eine rege und kontroverse Diskussion über das Reglement statt, welches wieder in einen demokratischen Abstimmung beschlossen wurde.
Ich persönlich bin jedoch heute im Nachhinein der Ansicht, wir hätten es besser gelassen. Offensichtlich ist es für Alle einfacher, wenn an den bestehenden Regelungen der Sportordnung nichts geändert wird.

Für die grundsätzlichen Akzeptanz war diese Entscheidung jedoch völlig bedeutungslos. Wir haben hier das Angebot sogar vergrößert, trotzdem haben wir in allen –im Vergleich zu 2008-   zusätzlich angebotenen Bogenklassen auch kein Interesse wecken können.

Frage:

Ja, wie Du sagst, ist es erstaunlich, dass, wenn eine Klasse vehement gefordert worden ist (Zitat-Anfang -  Klasse Jagdrecurve , wie bereits mehrfach gefordert – Zitat-Ende), sich nicht mehr Teilnehmer anmelden. Kann es sein, dass das 09er Reglement den Zulauf neuer Mitglieder aus anderen Verbänden verhindert hat? Dies war ja 08 ein Grundgedanke der BHL.

Antwort:

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es nicht das aktuelle Reglement war, welches zu dem geringen Interesse geführt hat. Hauptursachen waren die in der Öffentlichkeit insbesondere im Forum ausgetragenen Querelen um das Amt des verantwortlichen Fachwartes und die damit verbundenen zeitlichen Verzögerungen für die gesamte Planung. Bis die Ausschreibung und Termine endlich veröffentlicht werden konnten, hatten die meisten Ihre jährliche Turnierplanung sicher schon abgeschlossen und weder Zeit noch Geld für einen weiteren Wettbewerb.

Frage:

Wie wird das Finale aussehen? Laut Ausschreibung sind in einigen Klassen nicht genug Teilnehmer für das Finalschießen vor Publikum (Ist auch in der Ausschreibung evtl. schwer zu verstehen, wie viele und unter welchen Voraussetzungen, wenn möglich bitte erklären, danke). Wir können uns denken, das gerade dieser Teil für viele Schützen ein besonderer Anreiz gewesen ist. Wie wird dies geregelt werden? Welche Klassen werden wir am 2. Tag sehen? Können wir ein ähnliches Event erwarten wie in Satzvey?

Antwort:

Vorweg, ein Umfeld (Event) wie 2008 wird das Finale nicht haben, dafür fehlen einfach die finanziellen Mittel und das entsprechende Engagement unter den aktuellen Voraussetzungen.
Sportlich ist folgender Ablauf vorgesehen. Am Samstag findet auf einem 28 Scheiben Parcours das Finalschießen statt. Durch die geringe Teilnehmerzahl sind natürlich alle hierfür qualifiziert.
Da wir freie Startplätze haben, können auch eine begrenzte Anzahl Gäste/Gastschützen  an diesem Wettkampf teilnehmen. Soweit in einer Bogenklasse weniger als fünf Schützen angetreten sind, wir es am Sonntag kein separates Finalschießen für diese Klasse geben.
Wir werden hier kurzfristig – nach tatsächlichen Teilnehmern - Bogenklassen zusammenfassen, welche kann erst vor Ort entschieden werden.
Am Sonntag gibt es nach derzeitiger Teilnehmerliste sicher ein Ausscheidungsfinalschießen vor Publikum für folgende Klassen:
Herren Primitive Bogen; Herren Bowhunter Recurve; Herren Longbow, Herren Freestyle unlimited. Herren Bowhunter unlimited.

Frage:

Wie sieht die Zukunft der BHL aus? Wird es auch nächstes Jahr eine BHL mit evtl. neuem Regelwerk geben? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?

Antwort:

Das Regelwerk könnte jederzeit überarbeitet und neu angepasst werden, da sehe ich keine Probleme.
Die Zukunft der Bowhunterliga  sieht jedoch aus finanziellen Gründen schlecht aus. Auch in diesem Jahr werden wir ein großes Defizit mit diesem  Wettbewerb machen. Ich sehe derzeit im Vorstand keine Bereitschaft die Mitgliedsbeiträge Aller noch einmal für so Wenige auszugeben. Weder ein möglicher Imageerwerb noch die Bereicherung des DFBV-Angebotes rechtfertigen die wiederholten Ausgaben in dieser Höhe. Zur Zeit ist das Geld einfach nicht vorhanden.
Bei entsprechenden Teilnehmerzahlen hätte es mit ziemlicher Sicherheit eine Fortsetzung gegeben.
Eine Fortsetzung wird es jetzt aber nur geben, wenn dies durch einen ausdrücklichen Mehrheitsbeschluss der Jahreshauptversammlung gefordert wird. Die Jahreshauptversammlung entscheidet bei der Abstimmung über den Haushaltsplanentwurf, wie die Gelder aus den Mitgliedsbeiträgen zu verwenden sind.
Eine andere mögliche Variante wäre, dass sich ein Sponsor findet der die Liga finanziert.
Bedauerlicherweise gibt es auch schon mehrere regionale Nachahmer, so dass es auf nationaler Ebene sehr schwierig sein wird einen Sponsor zu finden.

Frage:

Wenn es Nachahmer gibt, zeigt es doch nur, dass der DFBV mit der BHL eigentlich richtig gelegen hat. Sicher steht die Finanzierbarkeit an erster Stelle, aber ist es richtig, hier die Initiative aus der Hand zu geben? Schließlich hat der DFBV mit der BHL das Original erschaffen und unserer Meinung nach wäre es schade, wenn die BHL so sang- und klanglos verschwinden würde – was ich jetzt mal aus Deiner obigen Einschätzung schließe? Oder sollte man das Konzept nicht noch mal überarbeiten, um es für Schützen, Medien und auch Sponsoren schmackhafter zu machen? Scheinbar tun dies die regionalen Nachahmer. Wer sind diese regionalen Nachahmer? Gibt es mehrere davon, und welche Turniere oder gar Turnierserien veranstalten sie?

Antwort:

Bezüglich einer Nachahmung habe ich nur Gerüchte und Ideen gehört. Ob und wer so etwas tatsächlich in Zukunft umsetzt, kann ich nicht beantworten. Weder ich noch der Vorstand haben etwas dagegen das Konzept neu zu überdenken und zu überarbeiten. Man könnte auch über eine Zusammenarbeit mit anderen Organisationen nachdenken, wenn die Liga dann finanzierbar wäre und sich selbst tragen könnte.


Vielen Dank, dass Du Dich den doch recht kontroversen Fragen gestellt hast. Ich denke, dass viele Leser für das aufschlussreiche Interview genauso dankbar sind. Die Idee mit einem gemeinsamen Tisch der Verantwortlichen aller vergleichbaren Turnierserien halte ich für einen lohnenswerten Ansatz. Vielleicht finden sich ja die ein oder anderen Ideen, wie so eine Zusammenarbeit aussehen kann.
Weiterhin viel Erfolg bei der Arbeit des DFBV.