DM Bowhunter 2009
Am 26. und 27.09 war es dies Jahr wieder so weit. Die DM Bowhunter des DFBV stand an. Wie (fast) immer war es auch dieses Jahr nur schwerlich gelungen, einen Ausrichter für die DM zu finden. Dank daher an die Marsberger, die dieses Mal den Job übernommen haben.
Es wurde nicht der Standard-Parcours der Marsberger als Gelände hergenommen, vielmehr fand sich mit dem Eigentümer der Brauerei Westheim ein Sponsor, der seinen Wald für den Parcours und das Brauereigelände als Zentrum zur Verfügung gestellt hat. Als Zelt- und Campingplätze dienten das angrenzende Gelände des Sportplatzes und eine Wiese auf einem Firmengelände. Die teilweise recht großen Entfernungen – nicht alle Gelände lagen fußläufig nah beisammen – wurden durch einen Bus-Shuttle-Service überbrückt. Respekt für die Bereitstellung und Mitarbeiter des Services.
Eines vorweg: Wir hatten ein rieeeeeeesen Glück mit dem Wetter, einfach perfekt zum Bogenschießen! Es war beide Tage morgens zwar kalt, aber immer trocken und ab Vormittag auch sonnig – sobald der Morgennebel sich verzogen hatte.
Aber nun zum Turnier,
wie immer bei einer DM-Bowhunter ein 2-Tages-Turnier. Laut Ausschreibung war diesmal neben Präzisionsrunde, 2-Pfeil-Hunter und 1-Pfeil-Hunter auch eine Spezialrunde zu schießen. Eine solche Spezialrunde hatte es seit 2004 in Dieskau (danke für den Hinweis an das BSF
) nicht mehr gegeben, daher kannte viele Schützen diesen Modus nicht. Dabei gibt es laut Sportordnung Zeitscheiben (30 Sek. ohne Visier, 45 Sek. mit Visier für drei Pfeile auf unbekannte Entfernung), Gruppen- und Herdenscheiben, wo verschiedene Ziele von einem oder wechselnden Pflöcken aus geschossen werden mussten. Außerdem waren Standard-Ziele dabei. Es mussten IMMER drei Pfeile geschossen werden, von denen ALLE im Kill landen mussten, um eine 20er Wertung zu erhalten (10-6-4 und 6-4-2). Hier war Konstanz gefragt. Wer diesen Modus im Vorfeld nicht mal trainiert hatte konnte durchaus schlechte Karten haben.
Auch, oder gerade bei den Compoundern, löste der Modus Spezialrunde im Vorfeld einige Irritationen und Diskussionen aus. Aus unserer Sicht – auch wir schießen Compound – ist es ein sehr interessanter Modus, den man ruhig wieder öfter einbauen sollte. Ebenfalls interessant war die Hunterwertung der 2-Pfeilrunde mit Innenkill-Wertung (10-8-5), ebenfalls sehr selektiv.
Allerdings kam es gerade hierbei zu unserer Meinung nach berechtigten Diskussionen. Punkt 1: Es wird absolute Präzision verlangt, soweit okay. Aber wenn man nicht erkennen kann, wo man hin schießen muss, um diese Präzision zu erreichen, wird das Ganze ad absurdum geführt. Laut Reglement darf man kein Fernglas benutzen, dann sollten allerdings, wie bei internationalen Turnieren, Bilder der Ziele am Abschuss vorhanden sein. Bilder sind unserer Meinung nach aber "second best", da die Zeichnung oder Bemalung der Ziele doch sehr täuschen kann. So geschehen bei der Bowhunter WM in USA, wo der Führende sich nach den Bildern am Pflock gerichtet hatte. Diese waren aber in der Bemalung nicht mit den Zielen identisch, dass war es dann mit dem WM-Titel. Begeistert war er nicht, wie sich jede vorstellen kann. Daher halten wir es für das einzig sinnvolle Ferngläser auch im Wettbewerb zu zu lassen. Außerdem, wer kennt einen Jäger, der ohne Glas in den Wald geht um das Wild anzusprechen? Er sagt bestimmt nicht: "Hallo Hirsch!" Ein weiterer Grund der für die Benutzung von Ferngläsern spricht, ist die Vielzahl an unterschiedlichen Zielen, die es heute gibt. Mehrere hundert verschiedene Tiere kann niemand auswendig kennen. Noch dazu gab es Ziele, die heute nirgendwo mehr zu finden sind! Wie sollen neue Teilnehmer sich vorher informieren können? Daher halten wir aus Gründen der sportlichen Fairness den Gebrauch von Ferngläsern – z.B. maximal 10X50 – für sinnvoll. Und ja, eine Kontrolle der Gläser auf Entfernungsmesser ist bei der Bogenkontrolle mit geringem Aufwand machbar. Man braucht nur einmal drauf und durch zu schauen, Aufkleber drauf und fertig.
Zu Punkt 2 und damit zurück zum Parcours. Präzision gut und schön, aber es sollte den Schützen auch ermöglicht werden, diese zu erfüllen. Hier ein Kritikpunkt an die Marsberger und diejenigen, die den Parcours abgenommen haben: Auf einer Hunterrunde sollte ein Kill auch zu erkennen sein und nicht den Schützen die Seite des Zieles zugewandt sein, die kein Kill enthält! So geschehen bei dem kleinen Krokodil von Eleven (Hersteller). Es gab nur das Rückenkill, vom Abschuss aus gerade mal einen halben Zentimeter zu erahnen, wenn man gewusst hätte, wie das Ziel aussieht. Das geht gar nicht. Auch ist es fragwürdig, ob ein Ziel so gedreht werden muss, dass das man sofort im Aus ist, wenn man nicht ins Kill trifft. So gesehen bei den Bobcats auf Parcours 1.
Parcours 1, mit Präzisionsrunde und 2-Pfeil-Hunter: Kaum zu glauben waren die teilweise sehr nahen Entfernungen bei Zielen, die sonst auf 55 Meter zu finden sind. Wie zum Beispiel die Wildsau, die sich auf ca. 23 Meter befand. Und trotzdem, oder vielleicht gerade wegen dies vermeintlichen "Leichtigkeit" ließen sich viele "einlullen" und nur ein Schütze kam auf eine Punktzahl über 500 von 560 möglichen. Als einziger erzielte auf Parcours 1 Dirk Stuckmann 515 Punkte. Dieser Vorsprung sicherte ihm letztendlich auch den Titel in der Klasse Freestyle Unlimited (FU), vor Team AG-Schütze Michael Ziefle, der am zweiten Tag eine grandiose Aufholjagd hinlegte und sich vom 4. auf den zweiten Platz vorschieben konnte. Unter anderem dadurch, das er in der Spezialrunde bei den Zeitscheiben Nervenstärke bewies. Der zweite Parcours mit Spezialrunde und Hunterrunde forderte alle Schützen mehr. Hier gab es nicht nur nahe Entfernungen, jeder konzentrierte sich automatisch mehr und die Ergebnisse waren dementsprechend. Knapp ging es auch in der Klasse Bowhunter Unlimited (BU). Hier lieferten sich Rainer Schmitt (Bad Kreuznach) und Team AG-Schütze Elmar Harbecke über zwei Tage ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gerade am zweiten Tag wechselte mehrmals die Führung, so dass keiner der beiden bis zur letzten Scheibe wusste, wer denn nun letztendlich vorne lag. Rainer hatte zum Schluss einen Fehler weniger gemacht und konnte mit 6 Punkten Vorsprung das Rennen für sich entscheiden. Auf Platz drei folgte mit einigem Abstand Roman Heigenhauser vom Bogensport-Zentrum Chiemgau.
Team-Leader Andreas Gotthardt brachte nach einer exzellenten Leistung auf dem Parcours 1 von 470 Punkten den Titel in der Klasse Bowhunter Compound (BHC) sicher nach Hause. Ebenso Dieter Glöckner in der Klasse Bowhunter Unlimited Masters (BU-Altersklasse). Den Grundstock für den klaren Erfolg legte, ebenso wie Andreas, mit einer starken Leistung von 471 Punkten auf Parcours 1.
Mit der Mannschaft konnte sich unser Team den dritten Rang sichern. Bei der Siegerehrung waren die vier noch auf dem Zweiten, aber im Nachhinein kam ein Computerfehler zu Tage, und der 2. Platz ging an die Spießener Mannschaft. Tja, kann vorkommen. Trotzdem, fünfmal auf dem Treppchen kann sich sehen lassen, oder?
Auch in allen anderen Klassen wurde sich nichts geschenkt und zum Teil hervorragende Ergebisse erzielt, nach zu lesen unter: DFBV - Erg-DM-BowH2009 .
Teilweise trennten nur zwei Punkte die beiden Erstplatzierten. Bei einer Deutschen Meisterschaft schießen alle von einem Pflock, egal ob Primitivbogen oder Compound FU, es gibt keine Unterscheidungen (außer bei Schülern und Jugendlichen). Interessanter Weise findet sich hier jeder damit ab, es gibt kein Meckern, dass eine Entfernung zu groß oder zu klein ist, oder das man nur für eine Bogenklasse den Parcours gesteckt hat. Ganz im Gegenteil zu einigen "Spaßturnieren" mit sportlichem Anspruch, die man gerechter Weise nicht mehr als "Spaßturniere" bezeichnen kann und sollte, da sie im Anspruch einer Meisterschaft gerecht werden oder sogar darüber liegen.
Unser Fazit zum Parcours und Organisation:
Letztes Jahr war in Eberhardzell die Messlatte für den Parcours sehr hoch gelegt worden, hier kamen die Marsberger dies Jahr nicht ganz heran. Wohl auch aus Gründen, die nicht in ihrem Verschulden lagen. So mussten Teile des Parcours am Freitag nochmal neu aufgebaut werden, da sie durch Vandalismus zerstört worden sind. Da hat der Parcours wahrscheinlich etwas drunter gelitten. Das oben schon erwähnte kleine Krokodil fällt allerdings eher in die Kategorie "Gut gemeint, aber nicht gut gemacht". Aber bitte nicht falsch verstehen, dies ist positive Kritik mit der man sich verbessern kann. Viele Punkte der Organisation, wie der Shuttle-Service oder der gute und sichere Einschießplatz auf dem Sportplatz, verdienen mehr als Respekt. So gab es ab 07:00 Uhr Frühstück und Abends musste niemand verhungern oder verdursten. Nicht ganz optimal war die Platzierung der Verpflegungsstände auf Parcours 1 am ersten Tag, dort war nur einer vorhanden, was bei einigen Schützen für gelinden Unmut sorgte. Aber hey, vom Fleisch gefallen ist wohl keiner. Am zweiten Tag reagierten die Marsberger Organisatoren und richteten schnell einen zweiten Stand ein. Auch am ersten Tag wurden als Überbrückung Getränke im Parcours bereit gestellt.










































