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Donnerstag, 17. Mai 2012

Kommentar

Leider gab es auch einen unschönen Moment auf dem 3D-Masters. Am Krokodil hat ein Schütze alle Pfeile baden geschickt und sich nicht nur fürchterlich aufgeregt, dass er nicht getroffen hat, sondern ist gegenüber den Veranstaltern handgreiflich geworden. Dieser Schütze ist disqualifiziert worden und hat Platz- und Turnierverbot erhalten und zwar mit namentlicher Nennung während der Siegerehrung!

Harte, aber durchaus konsequente und berechtigte Reaktion der Veranstalter. Soweit sollte sich jeder in der Gewalt haben, auch wenn drei Pfeile im Teich schwimmen. He, entweder besser schießen, oder den Schuß auslassen, aber nicht auf andere (Veranstalter) schimpfen, wenn es daneben geht. Und an die Jacke geht man dafür niemandem. Mit ihrer Reaktion lagen die Veranstalter durchaus richtig. Solche Konsequenz hilft letztendlich das Ansehen des Bogensports zu erhalten.

Bilder CX 3D-Masters

Vor dem Start
Vor dem Start
Andreas
Andreas
Dieter
Dieter
Micha
Micha
Elmar
Elmar
Siegerinnen Damen
Siegerinnen Damen
Sieger Herren
Sieger Herren

HightechTurnier CX 3D Masters.

Als Pendant zu den vielen traditionellen Turnieren ins Leben gerufen, ist das CX 3D-Masters nur für moderne Bögen zugelassen. Kein Holzbogen oder Holzpfeile, dafür alle Materialarten und Anbauteile. Kein Wunder, dass die offene Compoundklasse die teilnehmerstärkste war. Aber auch alle anderen Klassen waren stark besetzt und brauchten sich nicht hinter einer nationalen Meisterschaft zu verstecken. Dazu kam, dass Schützen aus allen Verbänden - DSB, DFBV und DBSV - zum Vergleich angetreten waren. Ein Bild, das sonst nur ansatzweise in der Bowhunterliga (Turnierserie des DFBV) zu sehen war.
Schwierig sollte es werden, hatten uns die Veranstalter schon bei der ersten Ankündigung beim Ankumer Herbstturnier versprochen. Alle möglichen Entfernungen sollten ausgenutzt werden. Also rechneten wir bei der Anreise schon mit dem kleinen Waldkauz in 60 Meter Entfernung. Ganz so schlimm sollte es dann doch nicht werden, aber fast.

Die Veranstalter hatten bewußt die stärksten Schützen aller Verbände eingeladen, um dem eigenen Anspruch "Hightech" und "Extrem schwer" gerecht zu werden. So waren die ersten 50 Plätze über Einladungen vergeben, die weiteren Plätze konnten über die turniereigene Website gebucht werden. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer aus ganz Deutschland reisten schon am Vortag an und trafen sich auf der eigens organisierten kleinen Messe zum Kennenlernen und Erfahrungsaustausch beim rustikalem Buffet. Eine nette und gelungene Idee.
War schon interessant, die unterschiedlichen Schützen zu beobachten. Auf der einen Seite, die "alten 3D-Hasen", auf der anderen Seite die "Newcomer" in Sachen 3D. Sehr schön war dann auch die gesunde Mischung, die die Veranstalter für die Gruppeneinteilung getroffen haben. Die Jungs haben sich richtig viele Gedanken gemacht, homogene Gruppen zusammenzustellen - Respekt, ist Euch gelungen.

Wir - das Team AG - waren mit allen vier Schützen angereist. Andreas Gotthardt startete in der Klasse Bowhunter Compound, Dieter Glöckner, Michael Ziefle und Elmar Harbecke in der offenen Compoundklasse. Bei der Anreise am Samstag hatten wir mieses Wetter, leichter aber stetiger Nieselregen, der so richtig durch ging. Mal sehen, ob es Sonntag besser wird.
Sonntagmorgen und der erste Blick aus dem Fenster verheisst nichts Gutes: Grau in Grau, kein Regen, aber dicker Nebel. Na, da wird es schwer fallen, den Waldkauz in 60 Meter Entfernung überhaupt zu erkennen. Zum Glück haben wir ja unsere Test-Ferngläser von Swarovski. Wir kommen punktlich zum Einschießen, und fast alle sind schon früh da! Wow, wer so früh am Start ist, macht keinen Kindergeburtstag draus. Beim Einschießen natürlich das übliche Procedere, jeder wird mit der Anspannung auf seine Weise fertig. Das Briefing verzögert sich um ca. eine halbe Stunde. Aber es liegt noch alles im Limit. Durch die vorgegebene Gruppeneinteilung hat man (fast) nur unbekannte Gesichter in den Vierer-Gruppen. Übrigens eine angenehme Größe, da man schnell durchkommt und an den Stationen kaum Wartezeiten entstehen. Außerdem war ja ein Zeitlimit von 2 Minuten pro Scheibe vorgeschrieben. Hat völlig ausgereicht.
Es locken Preise von einem 12er Satz hochwertige Carbon Express Pfeile bis zum Sponsorvertrag in der offenen Compound-Klasse. Das sind doch mal ein paar Hausnummern!

Okay, ab geht es auf den Parcours. Die Range-Captains bringen die Gruppen in drei Blöcken zu den Zielen. Das Gelände ist nicht so weitläufig, das extrem lange Wege entstehen. Nun ja, einige werden gedacht haben: "3D-Schießen im platten Land, wo sollen da schon Schwierigkeiten sein!". Sie wurden dann doch enttäuscht, es war alles viel, viel schwieriger, als es aussah. Nein, den Waldkauz auf 60 Meter gab es dann doch nicht, aber dafür andere Gemeinheiten. An dieser Stelle sei der Service auf der Website www.cx3dmasters.de erwähnt: Alle Ziele mit Entfernungsangaben zum Nachlesen - aber erst nach dem Turnier!
Was gab es denn nun an Targets? Besondere Schwierigkeiten hatte jedes Ziel, ein paar waren aber doch sehr herausfordernd. Fangen wir mit dem kleinsten Ziel an, Scheibe 1, ein Wiesel als Hunter (nur ein Pfeil möglich) auf freundlichen 21 Metern - Sekt oder Selters, oder halt nuscht. Da kann man ganz schnell 10 oder 20 Punkte verlieren, und die sind bei der Klasse des Feldes tödlich. Aber Fehler haben alle irgendwo gemacht. Dann waren da noch die Hyäne auf 53 Meter, gerade wo man sich an - relativ - nahe Ziele gewöhnt hat. Sehr geschickt hinter einem Erdwall versteckt, der es schwierig macht, die Entfernung zu schätzen. Gut gestellt auch das Schwein auf der freien Wiese, keine Anhaltspunkte zum Schätzen außer ein paar Maulwurfshügel.
Kurz danach wird mit dem Highlight, einem auf dem Floß schwimmenden Krokodil, die Psychokiste aufgemacht. Hier zeigt sich, wer denn nun wirklich abgebrüht genug ist. Bei einem brannte dann auch das Nervenköstüm durch (siehe Kasten links). Das Biest schwamm in 40 Metern Entfernung, die man durch einen Deich nicht einsehen konnte. So gingen, immer mit großem Hallo der Zuschauer, einige Pfeile baden. Dagegen war dann der Reiher mit dem Fluß als Pfeilfang eher ein Spaziergang (16 Meter). Weiter geht es jetzt schon gewohnt schwierig mit großen Entfernungen, Licht und Schatten, machen es nicht einfacher.
Bis... dann die Ratte kommt. Wir stehen am Pflock, schauen uns um, nichts zu sehen. Wir legen nach alter Indianermanier die Hand über die Augen, muss ja weit weg sein?!? Wieder nix, eine 360 Grad Drehung, immer noch nichts. Schließlich lassen alle die Köpfe hängen, und da ist sie: freundliche 2,5 Meter vor unseren Füßen. Na Klasse, Kill ist Pflicht, aber welchen Pin für 2,5 Meter??? Vorbeischießen geht nicht, kann man sich gleich eingraben. Zum Glück haben wir auch solche Entfernungen vorher geschossen, wir wissen ja, wie hinterhä... sorry, kreativ die Jungs um Uwe und Volker sind.
Es gibt kein einziges Ziel, wo man sagen kann: "Das ist aber leicht." Irgendeine Falle ist immer zu entdecken - und gerade das macht den Reiz des 3D-Schießens aus. Es ist nicht nur eine Wettstreit der Schützen untereinander, sondern auch gegen die Parcoursbauer, die ja nicht wollen, dass ihre kostbaren Tiere zerschossen werden. Bei einigen ist ihnen das gelungen, selbst erfahrene Schützen mußten hier auch mal mit einem "Nuller" nach Hause gehen.
Trotzdem waren alle, die wir gesprochen haben mit dem Turnier sehr zufrieden und haben die zum Teil sehr weite Anreise von bis zu 900 Km nicht bereut. Alle wollen 2010 wieder kommen. Laut Ausrichter sollen bis dahin die Kinderkrankheiten der ersten Veranstaltung ausgemerzt werden. Eine erste sehr gute Idee ist, aus dem Eintages-Turnier eine Zweitages-Veranstaltung zu machen. Somit lohnt sich eine weite Anreise noch mehr und das Niveau des Turnier kann gehalten, bzw. gesteigert werden.

Wo viel Licht, da ist auch (nur etwas) Schatten. Es wurde im Vorfeld eine Klasseneinteilung bekannt gegeben. Unserer Meinung nach eine hervorragende Idee, nur sollte dann auch die Einhaltung des Reglements überprüft werden. Wir unterstellen niemandem etwas, nur sind wir der Meinung, wenn der Veranstalter auf ein hohes Niveau setzt, gehört auch Kontrolle des Reglements (Stichwort Bogenkontrolle) dazu. Einfach um dem selbstgestellten Anspruch gerecht zu werden, und der Gefahr als "Spassturnier" eingestuft zu werden, vorzubeugen. Um eine "Gleichheit der Waffen" zu erreichen sollte unserer Meinung nach ein Speedlimit von 300 fps gelten. Dann noch eine Einteilung nach Visier - ohne Visier, bei Compound und Recurve gleichermaßen. So hält man das Turnier schlank und trotzdem finden sich die Klassen aller Verbände wieder.
Den anderen kleinen Schatten hat es in den linken Kasten verschlagen.

Unser Fazit:
Eine absolut gelungene Auftaktveranstaltung, die unserer Meinung nach auf jeden Fall wieder stattfinden muss! Vielleicht könnte man daraus ja eine kleine Serie machen, wenn man den einen oder anderen Turnierveranstalter für diese Idee gewinnen könnte?

Eure Meinung bitte.